08. Oktober 2020

SHIP – Die Zukunft der Kommunikation im Schweizer Gesundheitswese

SHIP

Kommunikation // Der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien
ist im Gesundheitswesen weit weniger verbreitet als in anderen Dienstleistungsbereichen. Die Kommunikation zwischen Leistungserbringern und Kostenträgern erfolgt
heute grösstenteils nicht standardisiert, geschweige denn digitalisiert – durch den Kommunikationsstandard SHIP ändert sich dies.

Die bisherigen Kommunikationsprozesse im Gesundheitswesen können mit einer stetig wachsenden Dynamik nicht mehr Schritt halten und sind fehleranfällig. Der Trend geht klar in Richtung digitale Lösungen, die im Stande sind, Kommunikationsprozesse standardisiert und letztlich auch automatisiert abzuwickeln. Eine solche Lösung wurde von der SASIS AG zusammen mit ti&m entwickelt. SHIP wird bereits erfolgreich von den Solothurner Spitälern und der Helsana angewendet, zahlreiche andere Teilnehmer stehen kurz vor dem Go-live.
Federführend bei der technischen Umsetzung war ti&m. Ab 2016 hatten sie den Auftrag, die IT-Kompetenz und das Know-how bei der Digitalisierung einzubringen. Erarbeitet wurde eine Lösung, wie der Meldungsstandard – die Semantik – und die Prozesse in einem Konnektor gebündelt werden können. Die heutige Ausgestaltung ist etwas ganz Neues und Innovatives.

Ineffiziente Prozesse führen zu einer asymmetrischen Kommunikation
Eintritts- und Austrittsdaten eines Patienten zu stationären Massnahmen sowie detaillierte Informationen zur Behandlung sind für Kostenträger eminent wichtige Informationen. Dabei ist insbesondere eine schnelle und transparente Abwicklung von Gesuchen für Kostengutsprachen zwischen Leistungserbringern und Kostenträgern notwendig.

Die Abwicklung erfolgt heute häufig manuell und je nach Adressat über unterschiedliche Kanäle wie Brief, Fax, Telefon oder E-Mail. Die Datenübermittlung dauert lange und findet meist erst nach der Behandlung statt. Dass dies unweigerlich zu Ineffizienz und hohen Kosten führt, wurde mittlerweile anerkannt. 

Die Versicherungsbranche hat diese Probleme erkannt und die SASIS AG hat gemeinsam mit ti&m eine Lösung erarbeitet, welche die unnötig zeitintensive Arbeit für die Sachbearbeitung vereinfacht. Dies ermöglicht einen frühzeitigen, sicheren und effizienten Austausch von Informationen und Daten auch bei mehreren Kostenträgern. 

Der Datenschutz ist jederzeit gewährleistet
Im Sinne eines «Privacy by Design»-Ansatzes wird der Daten-schutz bei der Prozessgestaltung miteinbezogen. Für die nötige Sicherheit sorgt eine durchgehende End-2-End-Verschlüsselung zwischen den Leistungserbringern und den Kostenträgern. Zudem werden durch einen mehrstufigen, standardisierten Prozess auf jeder Stufe nur die notwendigen Daten direkt ausgetauscht. Dadurch können der Datenaustausch bzw. die Datenbearbeitung auf das Notwendige reduziert werden. Gerade im Vergleich zum Status quo führt dies zu einer deutlichen Stärkung des Datenschutzes.

Durch Standards zu einer gemeinsamen Grundlage
Im November 2019 hat der Standardisierungsverein eCH einen Meldungsstandard (eCH­0235) genehmigt. Dieser enthält den übergeordneten Meldungsrahmen für die harmonisierte und weitgehend automatisierte Abwicklung von administrativen Prozessen zwischen den Akteuren des Gesundheitswesens bezogen auf die Heilungskostenabwicklung. Dazu kommen ein Datenstandard (eCH­0234), der die übergreifenden fachlichen Konzepte und Datentypen definiert, ein Prozessstandard «Spital stationär» (eCH­0236), der die fachliche Prozesslogik und die Meldungsinhalte definiert sowie der Prozessstandard «Pflege» (eCH­0237), der dasselbe für das Pflegewesen definiert. Dies dient dem zentralen Anliegen eines einheitlichen und sicheren Datenaustausches.

Wie funktioniert dieser Kommunikationsstandard und was leistet er?
Der Kommunikationsstandard «Spital stationär» entspricht dem Behandlungspfad von Patienten: Planung des Spitalaufenthalts, Kostensicherung via Versicherer und Kantone, Eintritt, Behand-lung und Austritt. Der offene SHIP-Standard garantiert einen flexiblen Weiterausbau und so die Sicherheit und Zukunftsfähigkeit des Systems. Anhand des Prozessstandards Spital stationär lässt sich die Funktionsweise am besten erklären.

Dies sieht im Detail so aus:
1.Nach der Anmeldung für einen stationären Aufenthalt eröffnet net die Patientenadministration des Spitals in ihrem System einen Behandlungsfall. Dies löst automatisch eine Eröffnungsmeldung zum Behandlungsfall an die entsprechenden Kostenträger aus. 

2. Verschlüsselt übermittelt das Spital den Kostenträgern die notwendigen Daten zur Prüfung der Kostenübernahme.

3. Nach der weitgehend automatisierten Prüfung der Kostenübernahme erhält das Spital die Antwort der Kostenträger mit einer Zusicherung, Ablehnung oder Nachfrage wiederum elektronisch.

4. Bei Eintritt und Austritt des Patienten übermittelt das Spital erneut automatisch den Kostenträgern eine entsprechende Meldung.

5. Keine Briefe, kein Fax, keine Telefone, kein E-Mail – der neue Standard regelt den nötigen Austausch von Informationen und Daten vollständig digital. Dies führt zu vereinfachten Prozessen, sinnvollen Automatisierungen und eingesparten Verwaltungskosten.

Mittels einer Punkt-zu-Punkt-Kommunikation wird eine direkte Verbindung zwischen zwei Partnern eingerichtet. Dies führt zu einem hohen Mass an Sicherheit und Kontrolle. Die Unmittelbarkeit gepaart mit dem Fakt, dass nur die involvierten Partner Einsicht in die Kommunikation haben, ergibt das beste Argument für diesen Datenaustauschprozess.
Anhand von Erfahrungen aus der Praxis kann gesagt werden, dass es auf der Seite der Leistungserbringer bereits jetzt, bei Fällen die über SHIP abgewickelt wurden, zu 50 Prozent weniger Berichtsanfragen und Rückweisungen kommt. Auf Seite der Kostenträger konnten in der Praxis bereits 75 Prozent der Fälle automatisiert bearbeitet werden. Akteure des Schweizer Ge-sundheitswesens, welche sich SHIP verpflichten, können also positiv in die Zukunft blicken. Die Digitalisierung der Kommunikation schreitet auch im Gesundheitswesen voran und digitalisiert, standardisiert und automatisiert die administrativen Prozesse unter höchsten Sicherheitsstandards.


Domenico Fontana
Domenico Fontana

Seit 4 Jahren leitet Domenico Fontana die Geschäfte der SASIS AG. Er ist Betriebsökonom und verfügt über langjährige Erfahrung in der Leitung von national und international tätigen Unternehmen.

Vinzenz Schläfli
Vinzenz Schläfli

Vinzenz Schläfli ist verantwortlich für den Vertrieb von  SHIP. Er plant, koordiniert und führt die Vertriebs- und Marketingmassnahmen, um SHIP schweizweit zu etablieren.